Eine Stimme für die „Lost Generation“

Alle reden ÜBER Griechenland – Parteien, Medien, Stammtische! Doch reden wir genauso intensiv MIT den Menschen in Griechenland oder hören wir uns an, was SIE zu sagen haben? „DIE Griechen“ kommt schnell über die Lippen – gerne mit Verurteilungen oder guten Ratschlägen in einem Atemzug. Doch werden damit die Verantwortlichen für Misswirtschaft, Nepotismus und Klientelpolitik klar benannt oder nur ein ganzes Volk in Kollektivschuld genommen? Die alle Menschen und Werte bedrohende Finanzkrise hat besonders die Jugend betroffen. Doch die um ihre Zukunft betrogene Jugend Südeuropas kommt in den Medien, wenn überhaupt, dann nur als statistischer Wert (Jugendarbeitslosigkeit) vor. Sie hat keine Stimme, kein Gesicht und kaum Gestaltungsmöglichkeiten. Das neue Shantel-Video zu EastWest – Dysi ki Anatoli (EastWest – With a Little Spice of Orient) zeigt in intensiven Einzelportraits normale, junge Leute aus Athen (ein paar ältere sind auch dabei), manche von ihnen sind Musiker und hatten Anteil an den Aufnahmen. Shantel möchte der „verlorenen Generation“ ein Gesicht und eine Stimme geben.

Zu Griechenland hat Shantel eine besondere Beziehung: Dank seines griechischen Großvaters hat er schon in frühester Jugend das Land aus einer ganz anderen Perspektive erlebt und eine starke Bindung aufgebaut. Seit Jahren tourt er mit seinem Bucovina Club Orkestar oder alleine als DJ regelmäßig durch Griechenland. Der Popkultur-Forscher Shantel verlässt sich auf seine langjährige Erfahrung und Intuition. Was er erlebt und in sich aufsaugt, sind erst einmal nur flüchtige Phänomene, Momentaufnahmen, Synergien, die sich in seinen Kompositionen zu einem klingenden Manifest verdichten, das den aktuellen Zeitgeist abbildet.

Die zwei Fragen, die sich Shantel im Zentrum seiner Arbeit an seinem neuen Album (VÖ: September 15) stellte: Wie fange ich den Sound so genau und akustisch wie möglich ein? Wie schaffe ich für die Musik, für die ich mich schon als Kind begeistert habe, eine neue, internationale Form, einen pan-europäischen zeitgenössischen Sound? Die intensive Rezeption und Verarbeitung von Traditionen, sei es die der Instrumente, der Form der Songs, der Rhythmen oder Tonleitern, geschieht hier weder anbiedernd noch miefig, noch museal. Es ist ein geschmeidiges Surfen zwischen den Welten, das eine ganz neue Power freisetzt. EastWest – Dysi ki Anatoli ist eine erste Antwort. Und was für eine.

 

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